HUNDE MÜSSEN DÜRFEN KÖNNEN

Die Ansichten von uns Menschen im Bezug auf unsere vierbeinigen Begleiter sind sehr häufig darauf ausgerichtet was der Hund nicht darf, beziehungsweise nicht sollte. Besonders bemerke ich dies, wenn es um das Thema Jagd geht. Doch wie sieht die Seite des Hundes aus und welche Bedürfnisse seinerseits sollten befriedigt werden um dem Hund ein möglichst artgerechtes und entspanntes Zusammenleben mit uns Menschen zu ermöglichen?

Hunde müssen dürfen können… für mich ein Titel, bei welchem ich zu verschiedenen Themen schreiben könnte. Doch im heutigen Bericht möchte ich, die Jagd unserer Hunde beleuchten. Ein Hund und sein Verhalten sind zwingend ganzheitlich zu betrachten. Das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund besteht nicht nur aus der Jagd, dies möchte ich auch keinesfalls so vermitteln. Doch unsere Hunde sind nun einmal Jäger/Beutegreifer und zwar jeder, egal welcher Rasse/Mischung sie angehören! Jeder Hund bringt im Bezug zu diesem Thema seine eigenen  Qualitäten mit, welche durch seine Veranlagung, seiner Rasse/Mischung sowie seinen Erfahrungen und natürlich durch seine Lebensumstände beeinflusst werden. In den folgenden Zeilen möchte ich gerne Stellung nehmen zum Thema Jagd, sowie den Möglichkeiten und Chancen welche diese mit sich bringen kann. Gestützt auf das schweizer Tierschutzgesetz (Art.3/Abs.1) welches besagt «Wer mit Tieren umgeht hat ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Form Rechnung zu tragen».

VON DER JAGD…

Der Jagdinstinkt unserer Hunde ist einer seiner vier Instinkte und dient grundsätzlich zum Versorgen von sich selbst und natürlich auch für seine mögliche Familie, also zum Überleben. Obwohl immer wieder Berichte von Rassen erscheinen, in welchen beschrieben wird, dass der Jagdinstinkt weggezüchtet wurde, muss ich alle Hundehalter diese Rassen oder solche welche diese Meinung vertreten leider enttäuschen. Ein Instinkt ist genetisch verankert und kann durch keine auslese der Elterntiere weggezüchtet werden! Klar gibt es heutzutage Hunderassen welche durch ihre Zucht nicht mehr jagen können. Hierbei ist aber der Unterschied zu machen, ob der Hund nicht möchte oder nicht kann. Denn bei diesen Hunden, handelt es sich meist um Hunde welche durch die Zucht körperlich so beeinflusst sind, dass diese nicht mehr können (Qualzucht), so gerne sie auch möchten. Genau so gibt es Hunde, welche durch Unsicherheiten oder Ängste sich nicht jagen getrauen, so gerne sie auch möchten. Ängste z.B. vor den bereits erfahrenen Konsequenzen psychischer oder physischer Bestrafung. Ein nicht jagender Hund trägt immer einen Rucksack gefüllt mit Ängsten, Unsicherheiten oder Schmerzen mit sich. Pflichtbewusste Hundehalter nehmen sich diesem Rucksack an um seinem Hund ein entspanntes Leben zu gönnen.

Wie vielfach vermutet wird, handelt sich die Jagd des Hundes um das hinterherrennen eines Tieres und dem darauffolgenden zupacken. Wenn ein Hund dieses Verhalten nicht zeigt, wird dieser leider häufig als ein nicht jagender Hund eingestuft und somit nicht ernst genommen. Doch so einfach ist es nicht. Denn die Jagd beginnt schon viel früher und sollte bereits zu diesem Zeitpunkt ernst genommen werden! Zur Jagd gehört bereits das fixieren (visuell), das Anzeigen oder auch das aufscheuchen sowie das aufspüren und verfolgen (olfaktorisch) der Spur eines potentiellen jagdlichen Objektes. Genau so gehört zur Jagd das einkreisen einer potentiellen Beute wie dies zum Beispiel auch Hütehunde praktizieren. Die Jagd verschiedener Vorstehhunde besteht beispielsweise auch darin, dem Menschen eine mögliche Beute anzuzeigen. Viele dieser beschriebenen Verhaltensweisen werden leider meist nicht ernst genommen und die Hunde verselbständigen sich durch dies immer mehr.

Wenn man sich also einen Hund ins Haus und in die Familie holt, hat man Ja gesagt. Ja für den Hund sowie für alles was dieser mit sich bringt. Unter anderem seinem Jagdinstinkt! Würden wir uns nun damit beschäftigen diesen Jagdinstinkt unserer Hunde «abzustellen», wären wir zugleich damit beschäftigt den Hund zu etwas zu machen was dieser nicht ist. Da stelle ich mir die Frage, ist dies tierliebend!?

Ein Instinkt sagt einerseits vieles über die Artangehörigkeit eins Lebewesens aus und steht zudem für seine Bedürfnisse. Wenn sich nun alle einmal Gedanken über ihr eigenes Leben machen und nach einer Situation suchen, in welcher sie ihr Bedürfnis nicht befriedigen konnten… Was geschah mit diesem Bedürfnis? Genau, es verschwand keineswegs, sondern steigerte sich bis ins unendliche. Genau dies passiert mit unseren Hunden, wenn es um  seine Bedürfnisse geht, welche nicht befriedigt werden. Bedürfnisse können in keiner Form abgestellt werden, sondern werden vielfach nur unterdrückt. Was unterdrückt wird, findet irgendwann den Weg nach aussen! Und genau zu diesem Zeitpunkt folgt meist die Aussage des Hundehalters «Das hat er noch nie gemacht!». Bieten wir unseren Hunden keine Möglichkeit, ihr Bedürfnis, nach z.B. einer Jagd, zu befriedigen kann dies schwerwiegende Folgen haben. Es können sich stereotypische Verhaltensweisen entwickeln, wie zum Beispiel die Jagd nach der eigenen Rute. stereotypische Verhaltensweisen kennen wir auch von Zootieren welche nicht artgerecht gehalten werden. Zudem wird sich der Hund seine Möglichkeiten selbst suchen, dieses Bedürfnis zu stillen. Zum Beispiel fahrenden Autos, Fliegen, Blätter, Jogger, Fahrradfahrer etc. hinterher zu jagen.

…ZUR ERSATZJAGD

Doch wie der Titel dieses Textes bereits sagt, Hunde müssen dürfen können, möchte ich auf die Chancen des Jagdinstinktes und somit dem Jagdbedürfnis unserer Hunde aufmerksam machen. Hierbei geht es darum mit dem Hund zu gehen und keinesfalls gegen diesen. Dies geschieht leider sehr häufig, wenn versucht wird die Jagd des Hundes abzustellen respektive zu unterdrücken. Den nur wer miteinander geht stärkt das gegenseitige Vertrauen, und dieses Vertrauen fördert und stärkt die Beziehung zwischen Mensch und Hund!

Keinesfalls appelliere ich mit diesem Text dazu Hunde unkontrolliert jagen zu lassen und dies möglicherweise sogar auf freilebende Tiere, den eine solche Jagd ist vom Gesetzgeber auch ausdrücklich verboten und schadet euch, unseren Wildtieren sowie auch euren geliebten Vierbeinern. Diese müssen meist die Folgen des menschlichen Versagens tragen!

Nicht jeder Hund hat die Möglichkeit sein Bedürfnis, seine Passion zusammen mit einem Jäger  ausleben zu dürfen. Doch jeder Hundehalter hat die Möglichkeit seinem Hund eine Ersatzjagd zu bieten! Eine Möglichkeit besteht darin, seine Beute in Form eines Futterbeutel zu machen. Hierbei möchte ich jedoch zwingend erwähnen, dass ich jedem Hundehalter empfehle, sich besonders zu Beginn von Fachpersonen in diesem Bereich begleiten zu lassen!

Richtig angewendet bieten Ersatzjagden tolle Chancen für Mensch und Hund. Gemeinsam können interessante Aktivitäten erschaffen werden. Hunde lernen sich selbst zu beherrschen und kontrollieren, was im Alltag vieles erleichtert. Ganzheitlich wird Körper und Geist aktiviert. Eine solche Ersatzjagd bietet die Möglichkeit die Jagd unserer Hunde in tragbare und strukturierte Bahnen zu lenken. Zudem bietet eine solche Ersatzjagd auch gesundheitliche Vorteile. (Ersatz)Beute zu machen bereitet die Organe auf die kommende Nahrung vor. Mit der heutigen, leider viel verbreiteten Napffütterung fehlt dem Hund als Beutegreifer/Jäger die dazu gehörige Jagd und führt häufig zu enormen Frust. Frust, welcher auch durch nicht befriedigte Bedürfnisse entstehen kann findet immer einen Weg nach aussen. Häufig sind in solchen Fällen jedoch dann zum Beispiel Artgenossen, Menschen oder geliebte Möbel die leidtragenden.

Eine Ersatzjagd ist für den Hund mit Sinn behaftet, weil er hierbei sein natürliches Bedürfnis befriedigen kann. Sein Bedürfnis nach Futtersuche, Nach einer Hetzjagd, nach einer fetten (Ersatz)Beute und dies nicht selbständig, sondern zusammen mit seinem Sozialpartner Mensch. Mit, für den Hund, mit Sinnbehafteten Aktivitäten entsteht ein Umfeld, in welchem dieser auch sehr gerne lernt. Somit bietet eine solcher Ersatzjagd auch viele erzieherische Möglichkeiten. Auch wir Menschen kennen für uns mit Sinn behaftete Aktivitäten (meistens unser Hobby), in diese investieren wir gerne Zeit um Glücklich und entspannt zu sein.

Dieses glückliche und entspannte Gefühl sind auch wir unseren vierbeinigen Begleitern schuldig. Also, fette (Ersatz)Beute machen, müssen Hunde dürfen können!